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Tetraeder zu Bottrop – ein Besuch in der Heimat

Bottrop – meine Heimatstadt. Hier bin ich im Stadtteil Batenbrock aufgewachsen und habe dort ganze 22 Jahre gelebt, nachdem es mich nach Dortmund zog.

Mein Freund wollte nun meine Heimatstadt kennen lernen und ich musste wirklich erstmal überlegen, weil ich Bottrop zwar mag, aber man da eigentlich keine Sehenswürdigkeiten hat, außer das Tetraeder! Also ging es eines nicht ganz so schönen Tages mit der Kamera bewaffnet in Richtung Bottrop um die Halde und dann das Tetraeder zu besteigen.
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Weil ich das Tetraeder schon immer kenne, aber die genauen Hintergründe nicht mehr zusammen bekomme, habe ch mich einfach mal bei Wikipedia bedient. Hier also ein paar Infos zur Landmarke Tetraeder:

Seit Oktober 1995 kann man auf der Halde Beckstraße in Bottrop Batenbrock die Landmarke Tetraeder nicht nur bestaunen, sondern auch begehen. Auf der Landmarke gibt es drei Aussichtsplattformen. Die erste befindet sich auf 18 Metern, die zweite auf 32 Metern und die dritte auf 38 Metern, das besteigen ist also nichts für Menschen mit Höhenangst. Zudem besteht jeder Boden aus Lochgitter und man kann so direkt in die Tiefe sehen.

Genug mit den staubigen Fakten, her mit den Bildern! Das Wetter an dem Tag war irgendwas zwischen Herbst und beginnender Winter. Es waren viele Wolken am Himmel, der Wind blies schon oben auf der Halde wie Hulle und es war dementsprechend kalt. Trotzdem konnte ich im „hellen“ noch ein paar schöne Bilder schießen.

Die Aussicht war trotz des diesigen Wetter atemberaubend. Ich konnte das Gasometer in Oberhausen sehen, die Essener City, die Schalke Arena und das Werk in Schüren, außerdem die Kreuzhalde und natürlich Bottrop von oben. Langsam wurde es dunkel und das Tetraeder erleuchtete in der Dämmerung. Auf der 1. Plattform schauten wir uns dann eine ganze Zeit noch die Stadtlichter an, bis es mir dann doch zu kalt wurde.

Es war wirklich schön, nach Jahren mal wieder das Tetraeder zu besteigen und Haldenluft zu schnuppern. Früher bin ich dort so oft mit Freunde auf dem Fahrrad hochgefahren und wir haben einfach in die Ferne geschaut und die Aussicht genossen. Bottrop hat zwar nicht viel kulturelles zu bieten, aber das Tetraeder ist einfach einsame Klasse und jeder sollte dort mal hochklettern und einen Blick auf das Ruhrgebiet von oben werfen. Außerdem isses umsonst!

Heimat

Heimat! Was versteht man unter Heimat? Für mich ist das dieses eine bestimmte Gefühl im Bauch. Die Erinnerungen, die man mit bestimmten Gegenständen bzw. Orte verbindet. Sein es schöne oder schlimme Erinnerungen. Lange Zeit habe ich meine Heimat verdrängt, ich wollte nichts mit ihr zu tun haben. Vor kurzem war ich dann mal wieder da und habe mich wieder in dieses Fleckchen Erde verliebt.

Morgens an dem gleichen Tisch frühstücken wie zu Kinderzeiten, an der Gartentür stehen und einfach den Blick ins Grüne genießen. Barfuß durch das Gras gehen und sich schwarze Fußsohlen laufen. Den Geruch der unterschiedlichen Blumen in sich aufnehmen.


Umgeben sein von all diesen Dingen, die man Zeit seines Lebens kennt. Sei es die schwarz weiß gefleckte Nachbarskatze, die sich erst nach Jahren den Bauch von mir hat streicheln lassen. Zu wissen, wie weit der nächste Tante Emma Laden entfernt ist, damit man sich dort Bonbons oder Wassereis kaufen kann. Im Dunkeln durchs Haus laufen, ohne sich einmal den Zeh zu stoßen.

Was dann schmerzt, ist zu sehen, wie sehr sich diese Heimat verändert hat. Der Platz auf dem man als Kind mit Kreide gemalt hat oder Seil gesprungen ist, wurde nun umfunktioniert zu einem Parkplatz. Der Spielplatz ums Eck besteht nur noch aus dreckigem alten Sand und besitzt kaum noch Spielgeräte. Das Rosenbeet auf der Gassiroute musste einer Rasenfläche weichen. Die Hauptschule ist nun eine Fachhochschule und die verwunschenen Gärten, die einem damals Angst einjagten, gibt es einfach nicht mehr.

Machmal würde ich die Zeit gerne anhalten. Etwas länger verweilen im Augenblick. Egal ob qualvoll oder wunderschön.