Geburtstagstralafitti

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Heute hatte mein Vater Geburtstag. Er wurde irgendwas über 60. Ich bin nicht gut im Merken von Geburtstagen meiner Familienmitglieder. Bei Freunden ist das was anderes.
Ich wurde von meiner Tante abgeholt. Sie wohnt in der Nähe und hat mich mitgenommen zur Wohnung meines Vaters. Die Fahrt dahin war komisch. Ich sehe meine Tante nicht oft und so fehlten die Gesprächsthemen. Die Luft im Auto hätte man schneiden können, so dick war sie. Wir redeten über das Wetter, meine neue Wohnung, Belangloses – bloß nicht ins Detail gehen. Das ist nicht unsere Art. Also die Art meiner Familie, ich habe das noch nie gemocht.
Zu meinem Vater hatte ich eigentlich immer eine gute Beziehung, naja das war man halt so als gut bezeichnet. Wir konnten über die gleichen Dinge lachen und hatten immer ähnlichen Quatsch im Kopf. Samstags ging mein Vater immer auf den Markt und ab und zu begleitete ich ihn. Wir parkten immer auf dem gleichen Parkplatz hinterm Rathaus und mussten so etwas länger zum Marktplatz laufen. Auf dem Weg beobachteten wir die Menschen um uns herum und malten uns ihre Leben aus. Ich fand das immer besonders witzig, weil wir uns so viel Bullshit ausdachten und mir das Spaß machte.

Jetzt fühlt sich das wie eine ferne Erinnerung an. Es ist als wäre da eine unsichtbare Barriere zwischen uns. Seit dem einen Tag, als ich meinen Anrufbeantworter abhörte, ist sie da. Uns sie wurde immer größer, spürbarer. Ich versuche seitdem alles wieder ins rechte Licht zu rücken, aber es fällt mir schwer.

Aber heute hatte ich einen Hoffnungsschimmer. Heute war es anders zwischen uns. Vielleicht lag es an dem Datum, oder das wir nicht alleine waren, aber ich fühlte mich zeitweise wieder wohl in deiner Nähe. Es wurde über Dinge geredet die wichtig sind und nicht nur dieses larifari Gesabbel, dass man von Familienfeiern kennt. Ich habe wieder Hoffnung für uns, für mich und der Ballast auf den Schultern wird leichter.

Also, alles Gute zum Geburtstag Vater, und das meine ich nicht larifari!

Who said love should be this hard, who said hearts should break apart?

Er sagte er wolle reden. Nein er sagte es nicht, er schrieb es per SMS und lies mich damit alleine bis zum nächsten Tag.
Ich konnte nicht schlafen diese Nacht und an den Tag auf der Arbeit kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Ich wusste tief in mir drin, dass dieses Gespräch mich fertig machen würde.
Auf dem Weg nach Hause war mein Kopf komplett leer und ich zitterte, als ich die Haustür aufschloss. Noch einmal atmete ich tief ein, bevor ich den Schlüssel in das Schloss der Wohnungstür steckte und umdrehte.

Nichts!

Ich legte meine Jacke und Schuhe ab und ging ins Wohnzimmer. In diesem Moment kamst du mir entgegen und sprachst mich mit belanglosen Phrasen an. Mir war nicht nach Smalltalk, sondern nach Klarheit. Wir setzten uns aufs Sofa, du weit entfernt von mir. Ich fragte was los sei und dann kamen die Worte, die ich schon befürchtet hatte:

Ich habe keine Gefühle mehr für dich!

Wie ein Schlag ins Gesicht. Mir fehlten die Worte und Tränen schossen mir in die Augen. Ich wusste nicht was ich sagen, noch fühlen sollte. Ich wollte nicht weinen, aber konnte es nicht kontrollieren.

Du saßt nur da, schautest mich nicht einmal an. Auf die Fragen die ich stellte bekam ich nur schlaffe Antworten. Du wolltest so schnell wie möglich dieser Situation entrinnen und das tatest du dann auch.

Zwischen meinem Betreten und deinem Verlassen unserer Wohnung lagen gerade einmal 15 Minuten. 15 Minuten die mein Leben auf den Kopf stellten und mir den Boden unter den Füßen wegriss.

Bis heute frage ich mich wie du mich so behandeln konntest. Mich noch tiefer in dieses Loch stoßen konntest, aus dem ich so schon kaum alleine entrinnen kann. In der schlimmsten Phase meines Lebens, gabst du mir den Todesstoß. Die eine Person, der ich am meisten vertraute und mein Herz öffnete.

Every one knows you replace the pain with vanity.
Maybe one day you will see you’re the reason we’re done

Heute sehe ich klarer. Ich kann sagen, dass du mir leid tust. Nach außen zeigst du dich stark und erwachsen, aber blickt man hinter die Fassade, ist da nur ein armer Mensch, der seine Gefühle nicht zeigen kann.

Hipster, Sushi und City and Colour

Montag, 14 Uhr: ich fahr den Arbeitsrechner runter und verabschiede mich von meinen Arbeitskollegen. Einige gucken verdutzt, andere wünschen mir viel Spaß.

Ich mache mich auf dem Weg nach Köln um mich mit Norm und Diana zu treffen, denn abends findet das City and Colour Konzert statt, auf das ich mich seit Monaten freue.

Direkt als bekannt wurde, dass City and Colour wieder auf Tour gehen, habe ich mir zwei Karten gesichert. Das letzte, eigentlich mein erstes, Konzert der Band durfte ich im Juni 2013 in der Lichtburg erleben. Es war eins der schönsten Konzerten, auf denen ich je war. Ja ich geben zu, ich vergoss sogar ein paar Tränchen, weil mich der Gesang und die Atmosphäre so richtig getroffen haben.

Diesmal ging es also mit meinen Lieblingsmenschen aufs Konzert um Dallas Greens wundervollen Stimme zuzuhören.

Wir trafen uns auf der Domplatte und ich knipste ein paar Bilder und nahm dieses kleine Video auf. Das Copyright liegt hier bei Herrn Zach Thomas (das muss jetzt keiner verstehen!)

Dicke Menschen brauchen immer einen wohlgefüllten Magen, also machten wir uns auf den Weg zu Bentobox und fanden direkt daneben einen Urban Outfitters. Erst in dem Laden selber fiehl mir die hohe Hipsterdichte in ganz Köln auf. Überall Mädels mit Leggings als Hose, dicken Boots bzw. Sneakern und diesen komischen Carhartt Penismützen auf dem Kopf. Der Laden hatte allerhand interessanten, aber auch überteuerten Scheiß zu bieten.

Auch bei Bentobox schlurften nur Hipsterkellner umher, das Sushi war jedoch ganz große Klasse und bereicherte meinen Tag doch sehr. Seit einem enormen Zitteranfall gehe ich nämlich nicht mehr mit leeren Magen auf Konzerte.


Jetzt war es aber höchste Zeit unsere Ärsche zur Live Music Hall zu bewegen. Am Eingang hatte ich dann erstmal Ärger wegen meiner DSLR, aber nach kurzem Nervenzusammenbruch ließ sich das auch klären. Die Halle war VOLL! Ich wusste es nicht im Vorfeld, aber das Konzert war ausverkauft und als wir rein kamen, spielte schon die Vorband Hannah Georgas.

In der Menge fanden wir trotz der vielen Menschen auch noch zwei Freunde und dann kam auch schon City and Colour auf die Bühne. Viel gesehen habe ich leider nicht, vor mir standen 3 gigantische Menschen und jedes mal wenn ich Dallas Kopf erahnen konnte, bewegte sich wieder jemand vor mir.

Ich hatte mir vorgenommen das Konzert einfach zu genießen und jeden Song in mich aufzusaugen. Die Akustiksongs brachten mir Gänsehaut und Tränen in die Augen und Dallas Stimme jagte mir ein Zittern durch den Körper. Es war einfach wunderschön. Ich sang jeden Song mit und vergaß alles um mich herum. Genau so muss sich ein Konzert anfühlen. Man muss die Songs nicht nur hören, sondern auch in der Seele spüren können.

Wegen der schlechten Sichtverhältnisse gibts keine Fotos vom Konzert selber, aber da lassen sich bestimmt welche im Internetz finden, falls es jemanden interessiert.

Der ganze Tag war Puderzucker für meine Seele. Ich durfte nicht nur eine meiner Lieblingsband live sehen, sondern dieses Erlebnis mit meinen liebsten Menschen teilen. Solche Tage soll, nein muss es öfter geben.