Persönliches

#MaybeHeDoesntHitYou – Gewalt in der Beziehung

Tweets mit diesem Hashtag wurden heute in meine Timeline gespült und ich musste bei jedem Tweet so heftig nicken, dass mir fast mein Nacken weh tat. Bei diesem Hashtag geht es darum, dass es nicht nur Gewalt in einer Beziehung gibt, die äußerliche Merkmale mit sich trägt, sondern auch sehr häufig psychische Gewalt, die zwar auch Narben in Frauen hinterlässt, diese aber nicht sichtbar sind.

Ich frage mich immer, ob wirklich jede Frau in meinem Alter schon einmal eine Beziehung hatte, die nicht gut für sie war, sei es jetzt ob der Partner gewalttätig war oder durch kleine fiese Bemerkungen das Selbstwertgefühl der Frau langsam aber sicher zerstört hat.

Auch ich kann mich nicht davon frei sprechen, schon mindestens einen Partner gehabt zu haben, der mich zwar nicht geschlagen hat, aber durch andere Dinge klein gehalten, bzw. mein Körper- und Selbstwertgefühl deutlich geschadet hat.

Ich war damals 19 und schon ein paar Jahre mit meinem damaligen Freund zusammen. Ich habe meine Ausbildung angefangen und dadurch sind sehr viele männliche Freundschaften entstanden. Meine Firma machte immer ein Sommerfest, zu dem auch die jeweiligen Partner eingeladen waren. So lernte mein Freund also meine männlichen Arbeitsbekanntschaften kennen und ich dachte alles sei okay. Jedes Jahr wurden die neuen Azubis von den alten Azubis zu einer Party eingeladen, diese Party galt natürlich nur den Azubis, also externe ncht erlaubt. Meine Ausbildungsstelle war ca. 50 km von meinem Elternhaus entfernt und deswegen bot mir ein Arbeitskollege an, bei ihm zu übernachten. Als ich meinem Freund davon erzählt sagte er nur: „Nein du übernachtest da nicht, sondern fährt wieder mit der Bahn nach Hause.“ Ich fühlte mich wie vor den Kopf gestoßen und wusste gar nicht, wieso er dass jetzt zu mir sagte. Eine ellenlange Diskussion entstand und im Endeffekt habe ich zurück gestreckt und bin an dem Abend wirklich mit der Bahn nach hause gefahren. Die Erklärung meines Freunds war übrigens, dass er Angst hätte das mir was bei besagtem Arbeitskollegen passieren könnte. Dass ich aber alleine mit der S-Bahn nach hause fahren musste, war ihm egal. Ich wäre übrigens nicht die einzige Person gewesen, die dort geschlafen hätte.

Und ab diesem Moment kamen ständig solche Bevorzugungen. Mir selber fiel das erstmal nicht auf, sondern erst als mich ein Freund darauf ansprach, wieso mir mein Freund teilweise lächerliche Dinge verbiete, machte es pling in meinem Kopf und mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Weil sich an der Situation nichts änderte, sondern nur noch schlimmer wurde, zog ich die Reißleine und trennte mich von ihm.

In einer anderen Beziehung, ich war mittlerweile älter, bekam ich ständig spitze Bemerkungen zu meiner Figur zu hören. Dass ich damals noch ein Lipödem hatte und an dem Umfang meiner Oberarme und Beine auch durch Sport nichts ändern konnte, machte es für mich unglaublich schwer. Es gab Zeiten da konnte ich vor meinem Freund nichts essen. Irgendwann folgten dann noch Bemerkungen dazu wie dumm ich wäre und ich wurde regelmäßig wenn er besoffen war vor Freunden blöd angemacht.

Das Problem an solchen Beziehungen ist, dass der Prozess schleichend ist. Beide Beziehungen waren keine kurzen Liebschaften, sondern fingen wirklich schön an. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem es nicht mehr schön war und immer wieder der Gedanke es zu beenden aufkam. Es ist schwierig sich aus solch einer Beziehung zu lösen, weil man immer wieder an die guten alten Zeiten und gemeinsamen Erlebnisse denkt. Aber was bringen einem die schönen Dinge von damals, wenn es im jetzt kaum mehr zu ertragen ist und man selber eingeht?!

Ich bin den schlechten Beziehungen entronnen und habe aus den Erfahrungen gelernt. Aber viel schöner wäre es gewesen, diese schlechten Erfahrungen erst gar nicht machen zu müssen.

Wart ihr auch schon einmal in einer Beziehung, die euch nicht gut getan hat? Oder hattet ihr bisher immer den richtigen Partner, der euch respektiert und liebt so wie ihr seid? Oder kennt ihr vielleicht eine Person, die in gerade so einer Beziehung ist und ihr nicht wisst, wie ihr helfen könnt?

I wanna be the one you can’t breathe without

Dieser Post steht unter dem Motto: Musste einfach raus.

Ich saß gerade nach einer erfrischenden Dusche mit einem Radler auf dem Balkon und hörte in der Dämmerung den zwitschernden Vögeln zu. Und genau da, in diesem Moment ging mir wie ein Stich durchs Herz.

Aber eigentlich fing alles schon viel früher an. Nach dem Abendessen habe ich beschlossen mich doch noch aus der Wohnung zu wagen und dem Körper ein bisschen sportliche Betätigung zu gute kommen zu lassen. Aber als ich da über die Halde lief, mit Kopfhörer in den Ohren, und nach einem gut temporierten plötzlich ein langsamer Song kam, musste ich anhalten, weil meine Brust plötzlich ganz schwer war.

Ich vermisse dich! Du bist zwar erst eine Woche fort, aber ich vermisse dich unendlich! Ich weiß, dass du in zwei Wochen wieder da sei wirst und wir endlich wieder zusammen einschlafen können, aber jetzt gerade, in diesem Moment, will ich einfach nur bei dir sein und deine Nähe spüren.

Ich merke, wie du einfach zu meinem Leben gehörst und ohne dich nichts so ganz rund läuft. Es gab Tage in dieser Woche da war ich so unkonzentriert und zerstreut, weil ich mit meinen Gedanken nur bei dir war. Aber verflucht noch mal, die zwei Wochen werd ich wohl auch ohne dich hin kriegen. Ich glaube diese Momente sind es, die den Slogan Love hurts verdient haben.

you are the one I cant breathe without!

my head wasn’t wired for this world

Wie vielleicht einige von euch bemerkt haben, habe ich schon länger nichts brauchbares mehr gebloggt, außer die monatlichen Retrospecktiven. Mein Blog ist für mich sowas wie ein Überdruckventil, sei es für überschäumendes Glück, brennende Wut oder tiefe Trauigkeit. Ich bin ein Mensch mit Emotionen und will diese nicht verstecken. Leider habe ich das Gefühl, dass ich viele Dinge, die mich derzeit bewegen, nicht richtig in die Öffentlichkeit tragen kann. Zum einen liegt das an der aktuellen Stimmung im Netz, die sicher nicht nur ich als beschämend empfinde. Zum anderen tingeln aber auch andere Gedanken in meinem Kopf rum, die ich lieber privat halten möchte, weil ja nun mal nicht alles von einem im Netz stehen sollte.
wolken
Meine Liste an Entwürfen wird immer länger und es tut mir selber im Herzen weh, aber sobald ich mich auf dem Blog einlogge und etwas schreiben möchte, ist da bei mir eine dicke Barriere und ich bekomme nicht mal einen vernünftigen Satz raus. Ich schreibe einen oder zwei Sätze, nur um sie 10 Minuten später wieder zu löschen, weil sie sich nicht richtig anfühlen. Dabei soll bloggen doch eigentlich Spaß machen. zumindest hab ich mir das immer als Credo gesetzt. Schreibe nur, wenn du von dem überzeugt bis, was du da gerade schreibst.
gelaender

Ich muss diese Blockade in mir selber lösen, wieder hinter dem stehen, was ich hier schreibe und in die Welt puste. Vorher hat es keinen Sinn halbherzig etwas zu schreiben und sich dann später zu fragen, was das eigentlich sollte.

Fühlt ihr auch manchmal so? Oder habt die Leichtigkeit am Bloggen verloren?

Mein Körper

Blogparade: Mein Körper und ich

Fee hat letzte Woche einen Beitrag auf ihrem Blog Fee ist mein Name veröffentlicht, der mir praktisch aus der Seele spricht. Und als sie dann am Ende des Beitrags zu einer Blogparade aufrief, war mir klar, dass ich auch meinen Senf dazu geben muss.

Mein Körper und ich, dass ist eine lange Geschichte gespickt mit Hass, Neid auf andere und Verzweiflung und tiefer Traurigkeit. Ich fange mal ganz am Anfang an.

Abitur

Kindheit, Pubertät & Schulzeit

Ich war als Kind nie dick und wenn ich heute Fotos von damals sehe finde ich mich sogar relativ schlank. Schon damals war ich eher der kleine Raufbold als das Prinzesschen. Aber dann kam die Pubertät und meine Mitschüler, die genau wussten, wie sie ein eigentlich sehr selbstbewusstest Mädchen wie mich, innerlich so zerstören können, dass ich nur noch ein Haufen Elend war und meinen Körper hasste. Ich habe ein breites Becken, was in den Augen der coolen Kids aber eher ein fetter Arsch war und ich wurde jeden Tag darauf hingewiesen, was für eine dicke Kiste ich doch hatte und wie ich es wagen kann Hüfthosen zu tragen. Zu dieser Zeit habe ich mir zum ersten Mal Gedanken über meinen Körper gemacht und immer mehr Makel gesehen. Meine Oberschenkel wurden immer breiter, mein Hintern größer und ich war irgendwann wirklich verzweifelt, weil keine Diät oder Sport halfen.

Nach dem Abitur wurde mein Umfeld zumindest besser, aber ich hatte immer noch diesen Körper, den ich nicht mochte. Leider wuchsen auch nach der Pubertät meine Ober- und Unterschenkel weiter an und ich traute mich mit kurzen Hosen gar nicht mehr aus dem Haus. Alles unterhalb des Bauchnabels war Sperrgebiet und ich hatte große Probleme überhaupt intim zu werden mit jemandem.

Diagnose Lipödem

Der Wandel kam dann im Jahre 2012, als meine Mutter mich anrief. Sie hatte einen Bericht im Fernsehen zum Thema Lipödem gesehen und ich sollte dringend zu Arzt gehen und das überprüfen lassen. Ich las mir unzählige Artikel zum Thema Lipödem durch und mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Wenn ich das nicht habe, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Ich machte einen Termin bei einem Experten in Düsseldorf und bekam von ihm folgende Diagnose: Lipödem der Stufe 2 an den Beinen und Armen. Ich war am Boden zerstört und ging zitternd aus der Praxis. Ich war zwar erleichtert, dass ich jetzt eine Diagnose hatte, aber gleichzeitig hatte ich jetzt diese chronische Krankheit und wusste nicht damit umzugehen.

Leben mit der Krankheit

Was tat ich? Ich rief  meinen besten Freund an und betrank mich maßlos mit ihm. Dass ich am nächsten Tag arbeiten musste, war mir egal. Ich war erstmal total fertig. Aber jetzt ging es ja erst los. Ich musste flachgestrickte Kompressionsstrümpfe tragen, jeden Tag! Die Teile sind nicht vergleichbar mit normalen Kompressions- oder Tromposestrümpfen, die Teile sind hardcore! Ich brauchte anfangs ca. 20 Minuten um die Dinger überhaupt an zu bekommen und war danach schweigebadet. Für die Arme bekam ich ebenfalls solche Würste, die hab ich einmal getragen und danach nie wieder.

Außerdem bekam ich Lymphdrainage um die angestaute Lymphflüssigkeit aus meinem Körper zu bekommen. Meine Physiotherapeutin war der hammer! Ich konnte mit ihr über alle meine Ängste reden und sie berichtete mir von Patientinnen, die es deutlich schlimmer getroffen hatte als mich. Ab da begann ich umzudenken, was meinen Körper angeht.

Die gängige Behandlung der Krankenkassen zog ich so 1 Jahr lang durch und informierte mich über neue Behandlungen und Ergebnisse verschiedenster Studien. Es gab da doch noch eine andere Option gegen das Lipödem: eine Operation! Ich kämpfte mehrere Monate mit meiner Krankenkasse, dass sie doch bitte die Kosten übernehmen sollen. Aber es hagelte nur Absagen und ich war wieder da wo ich angefangen habe, verzweifelt und mit diesem verhassten Körper alleine. Schlussendlich half mir meine Familie und so konnte ich die Operation endlich angehen. Seitdem bin ich ein anderer Mensch!

Und jetzt?

Nachdem die massiven Wunden abgeheilt waren (so eine OP ist kein Zuckerschlecken), gingen die Erfolgserlebnisse los. Ich kaufte meine erste Hose und zwar 2 Nummern kleiner als sonst. Die Schmerzen in den Beinen waren weg und ich konnte endlich wieder spazieren gehen so lange ich konnte. Die Kompressionshose fristet seitdem ein trauriges Dasein in der hintersten Ecke meines Kleiderschranks.

Ich habe viel mehr Selbstbewusstsein als früher. Ich weiß nun, dass ich für die Dellen und Wülste an meinen Beinen nichts kann. Ob ich mich nur noch von Salat ernähre oder einen dicken Burger futtere, meine Beine werden niemals glatt und straff sein. Ich werde immer Arme haben, die beim Winken hin und her schlackern. Aber wisst ihr was, es ist mir mittlerweile egal. Ich trage im Sommer kurze Hosen, Kleider und ärmellose Shirt. Beim schwimmen ziehe ich einen Bikini an und fühle mich nicht mehr unwohl, wenn neben mir am Strand eine Frau mit dem perfekten Körper liegt.

Es hat lange gedauert, bis ich meinen Körper akzeptieren konnte, aber mit 28 kann ich jetzt sagen, dass ich meinen Körper mag. Klar könnte der Bauch kleiner sein, aber es gibt einfach wichtigeres.

2012

Wenn jetzt jemand Fragen zum Thema Lipödem, der Operation oder sonst was hat, kann mich gerne Anschreiben. Ich stehe euch für Fragen gerne zur Verfügung!

Nicki, machs gut!

Donnerstag morgen erreichte mich ein sehr trauriger Anruf meiner Mutter. Im Grunde genommen wusste ich schon, wieso sie anruft, aber wollte es nicht wahr haben. „Ich war heute morgen beim Tierarzt.“ Spätestens nach diesem Satz wusste ich was los ist und mir stiegen die Tränen in die Augen. (mehr …)